That's Jazz - alles über Jazz

Jazzmusiker nähern sich einer Definition des Jazz auf ebenso vielgestaltige Weise wie ihrer Musik. Die vom swissjazzorama realisierte Ausstellung "Thats Jazz" hat dies eindrücklich gezeigt:

 

Louis Armstrong hat die Frage, was Jazz sei, vielsagend mit der Aussage beantwortet: "Wenn Sie fragen müssen, werden Sie es nie wissen." Der Schweizer Fred Böhler meinte: "Jazz ist Urgewalt." Auch Sun Ra glaubte: "Jazz ist der Klang des Universums." Teddy Wilson blieb dagegen auf dem irdischen Boden und sinnierte: "Jazz ist, was zwischen dir und mir geschieht - ist Liebe". Sonny Rollins sah im Jazz "eine soziale Kraft des Guten." Der um Jahrzehnte jüngere Winard Harper verallgemeinert diese Ueberlegung: "Jazz kann viel Gutes tun. Wenn jeder täglich ein wenig Zeit dafür aufwenden würde, genau hinzuhören, würde sich vieles auf der Welt ändern." Auch Thelonious Monk war vom tieferen Sinn des Jazz überzeugt: "Jazz und Freiheit gehen Hand in Hand". Für Benny Goodman ist Jazz ein wesentlicher Faktor der Lebensqualität: "Irgend etwas geht in Dir kaputt, wenn Du eines Tages merkst, dass das, was du spielst, nicht mehr Musik ist, sondern dass es ein Teil der Unterhaltungsmusik geworden ist. Das ist ein sehr feiner Unterschied, aber er wirkt sich auf dein Spiel aus. Deine ganze Einstellung zu den Dingen ändert sich." Zusammenfassend lässt sich mit Frank Zappa feststellen: "Der Jazz ist nicht tot, er riecht nur komisch".

 

Jazz ist eine "lebendige Kunst", deren riesige, den Einsteiger verwirrende oder gar abschreckende Vielseitigkeit der Ausdrucksformen und -Möglichkeiten immer wieder auf's Neue fasziniert. Wenn ein Jazzmusiker auf die Bühne tritt und als Thema des ersten Stücks einen allgemein bekannten Ohrwurm, eine bekannte Stelle aus einem klassischen Musikwerk oder eine neue Eigenkomposition ankündigt, sagt das überhaupt nichts darüber aus, was das Publikum jetzt gleich zu hören bekommt. Wird das staubig-langweilig klingen oder bloss wie Hitparade, völlig neu, überraschend, atemberaubend, oder gar fremd und experimentell?

 

Eine Prognose kann nur wagen, wer dem betreffenden Musiker schon einmal zugehört hat oder wer dessen beruflichen Werdegang durch ein Lexikon oder auf andere Weise in Erfahrung bringen konnte. Erwägt ein Veranstalter das Engagement eines bestimmten, ihm nicht bekannten Musikers, braucht er nicht unbedingt und schon gar nicht in erster Linie eine CD, sondern er erkundigt sich nach dessen Ausbildung, nach den bekanntesten Musikern, mit denen er bereits aufgetreten ist oder gar CD's eingespielt hat, nach der Länge seiner Engagements und nach Auftrittsorten *). Ohne den betreffenden Musiker je spielen gehört zu haben, ergibt sich daraus ein genügend verlässliches Bild: Wer die Gelegenheit hatte, mit grossen oder gar weltbekannten Musikern auf Tournee zu gehen, ist in aller Regel keine Niete, sondern er wurde vom jeweiligen "Star" überaus sorgfältig ausgewählt. Dem Nachwuchs liefern solche Engagements nicht nur die nötigen Referenzen, sondern auch den Teppich, auf dem er inskünftig musikalisch wandeln wird, selbst wenn er sich später kreativ weiterbewegt. Und darauf stützt sich die Prognose des Veranstalters. Wer sich an einer Jazzschule die Grundkenntnisse über den Jazz einverleibt hat, ist, wie bei jeder anderen Ausbildung auch, noch lange kein Meister seines Fachs. Er wird es nur, wenn sich Talent und Erfahrungen glücklich fügen. Und erst dann kann Jazz Kunst werden und ist Jazz das Hinhören wert.

 

Jazz ist "improvisierte Musik", weshalb auch alte und bestandene Musiker nicht einfach nur immer wieder dasselbe spielen. Es gibt zwar Routine, Jazzstandards und das American Songbook. Auch kann und wird jeder Musiker vor einem Konzert gründlich üben und sich reiflich überlegen, was er wie spielen will. Das alles ist ihm dann als seine persönliche Substanz präsent und mehr oder weniger abrufbar in ihm verinnerlicht. Aber auf der Bühne sind die anderen Musiker, ist die Interaktion mit dem Publikum, war das Nachtessen mit dem Veranstalter, die Reise, die Unterkunft... Der 76-jährige Jazzgigant Sonny Rollins hat festgestellt, dass man auf der Bühne nicht gleichzeitig denken und spielen kann, weil die Musik viel zu schnell kommt. "Man muss passiv sein, einfach dort stehen mit seinem Instrument und die Musik sich selbst spielen lassen. Die Improvisation ist nicht vorhersehbar, man weiss nie, was kommen wird. Das gerade macht sie so spannend, so vital; es ist wirklich wie im Leben. Und deshalb finde ich Jazz, auf hohem Niveau gespielt, die grossartigste Musik." Rollins bedauert, dass die Kunstform Jazz in der Oeffentlichkeit viel zu wenig respektiert wird. Die Werte dieser Musik würden unterschätzt und verkannt. Die Improvisation ist, so Rollins, eine natürliche, kreative Weise des Seins. Und jeder Musiker ist dazu aufgerufen, Jazz neu und eigen zu spielen (vgl. Interview in der NZZ v. 18.01.07).

 

*) Der Website von Mark Whitecage entnehmen wir deshalb nicht ohne Stolz den nachstehenden Eintrag:

The Nu Band has performed at the Vision Club, The Stone, The Knitting Factory and The Music Now Festival in NYC; The Bop Shop, Rochester, NY; The Chicago Cultural Center; Hallwalls Contemporary Center for the Arts, Buffalo, NY; The Detroit Art Space, University of Pittsburgh, University of Indiana and other venues throughout the U.S., as well as clubs such as Cuba in Germany, Porgy & Bess in Austria, Jazz Club Chur in Switzerland, Paradox in The Netherlands and Le Petit Faucheux in France, among others in Europe.